Bettelwurf Hütte

Absam
Um 990 taucht der Name „Abazanes“ auf, aus dem über Abzan,
Abtzan, Abezans, Absolus schließlich Absam wurde. Wahrscheinlich leitet sich der
Name von einem römischen Landgutnamen ab. Absam wird 1313 bereits als
selbständige Steuer- und Flurgemeinde erwähnt. Das Prunkstück Absams
ist die zur Basilika erhobene Marien-Wallfahrtskirche.
Der nordöstliche Teil von Absam heißt Eichat. Hier soll einst ein
großer Eichen- und Buchenbestand gewesen sein, was aber von verschiedenen
Seiten angezweifelt wird. Es ist nicht belegbar, dass ein Eichenbestand für
den Bergbau und die Saline gerodet und verbraucht wurde. Das jetzige
Eichat wurde Aichat geschrieben. Heute ist der Ortsteil Eichat von
zahlreichen Föhren bewachsen.
Karwendel
An der Sprachwurzel des Namens Karwendel wurde und wird noch viel
herumgedeutet. Einerseits dem Stamm „Karawanken“ zugeordnet,
andererseits von bayrischen Bauern, mit Eigennamen wie Kerwentil,
Gerbintla, Gerwendelbauer usw., die im Karwendel Almen und Besitzungen
hatten, abgeleitet, gibt es im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Sprech-
und Schreibweisen. Überliefert ist auch die Zusammensetzung von „Kar“
und „Wand“. Kare sind die zahlreich im Karwendel vorkommenden hohlen
Schuttmulden unter steilen Wänden, gleichzeitig findet man das Wort Kar für
muldenförmige Gefäße, wie sie vorzüglich in der Almwirtschaft zur Käseerzeugung
verwendet wurden (Kaskar). Die letzte Erläuterung geht aus Schriften aus
dem 13. bis 15. Jahrhundert hervor.
Bäche
im Halltal
Von den Issangerquellen und
aus dem Schottergrund beim Hirschbad
kommt der „Issbach“, der sich unterhalb von St. Magdalena mit
dem aus dem Bergbau kommenden „Salzbergbach“, auch „Bergbach“
genannt, vereinigt. Gemeinsam fließen diese beiden als „Halltalbach“
bis zum Hackl, wo der Bach aufgeteilt wurde und einerseits als „Weißenbach“
durch die Milser Heide fließt, andererseits als „Amtsbach“ nach Absam
fließt, wo dieser wieder aufteilt wurde und den „Baubach“ in der
Richtung der Salzbergstraße nach Hall schickt. Im oberen Teil hat der
Amtsbach auch „Mühlbach“ geheißen. Amtsbach und Baubach sind künstliche
Wasserläufe, die in Absam Mühlen, die Amtsschmiede und weitere Werke
antrieben, ehe sie dem Inn zustrebten. Das Wasser des „Salzbergbaches“
schmeckt jahreszeitlich verschieden stark salzig.
1
beim
HACKL
Der genaue Beginn des Halltales liegt bei der
„Kreuzmarter“, das ist die markante Straßenkreuzung am Ende der
Salzbergstraße.
Wir beginnen unsere Wanderung beim Anwesen „Hackl“ gleich nach dem
Parkplatz, ganz vorne am Eingang zum Halltal. Früher war der Bewohner
dieses Hauses ein Angestellter der Österreichischen Salinen. Seine
Aufgabe war die Betreuung des Sole-Messtroges, einer Einrichtung zur Überwachung
der Durchflussmenge der Salzsole, die vom Bergbau ins Sudhaus floss. Auch
die Betreuung des sogenannten „Wasserlauches“, das war ein Überlaufregler
zur Aufteilung der Wassermengen des Halltalbaches in Weißenbach, Amtsbach,
Baubach und Milserbachl, sowie die Weginstandsetzungsarbeiten an der
Halltalstraße, oblagen ihm. Der
Name Hackl ist ein Eigenname. Die offene Hütte links der Straße trägt
den Namen Unterstandshütte und wurde zur Zeit des aktiven Bergbaues als
Sammelpunkt für den gemeinsamen Berggang und als Beratungsort bei
Lawinen- und Murengefahr benutzt.
2
Runstboden
Das ist ein am westlichen Eingang des Halltales gelegenes Waldstück. Auch
der Name Runz kommt zuweilen vor, beide leiten sich von altlat. „rumex“,
was soviel wie Sauerampfer heißt, ab. Auch hört man öfters die
Ableitung des Namens von „Runse“ - Einkerbung. Am Runstboden gibt es
einen Rodelweg mit einer dazugehörigen Hütte.
3
Maximiliansbrünnl
Dieser Brunnen ist
nach Kaiser Max I. benannt. In die Zeit von 1490 fällt die
Quellwasserfassung von der Hochmahdkopfseite, ungefähr bei der heutigen
Alexanderquelle, die von der Gemeinde Mils gebaut wurde. Das Maximilianbrünnl
wird aus dem Milser Hochwasserspeicher über ein Rohr gespeist.
4
Die Bergerkapelle auch
Bergkapelle und Freiungskapelle genannt
Bei dieser Kapelle
bestand das von König Heinrich im Jahre 1325 und von Kaiser Maximilian
bestätigte Grenzzeichen für die sogenannte „Freiung“ des Salzberges.
Das war ein Privileg. Um den Salzbergbau möglichst zu fördern, wurden
durch diese „Freiung“ die Bergwerksbediensteten unter einen besonderen
Schutz gestellt. Unter anderem war auch ein krimineller Bergmann, der mit
seinem Kostsack (Verpflegungsrucksack) von der Arbeit kam und zur Arbeit
ging, ab hier vor dem Zugriff der allgemeinen Gerichtsbarkeit geschützt.
Dies galt auch bei Vorliegen von Malefizverbrechen (Verbrechen
schwerwiegender Art). Recht gesprochen wurde von einem eigenen
Berggericht.
5
Rädermacherklamm
Die Rädermacherklamm
zieht vom Hochmahdkopf herunter in Richtung zur 1. Ladhütte. Laut Überlieferung
wuchsen dort in großer Anzahl Latschen (Legföhren) mit stark gebogenen
Stämmen und Ästen, die sich hervorragend zum Bau von Rädern eigneten.
Die Handwerker, die „Rädermacher“, holten dort ihr Ausgangsmaterial.
6
Die Ladhütten
Es gibt drei Ladhütten.
Wie der Name verrät, dienten die Ladhütten als Umlade- und
Zwischenlagerplätze beim Transport von Lebensmitteln und anderen Gütern
im Bergbaubetrieb. In jeder Ladhütte war auch eine Sole-Kontrollstation
untergebracht. Die Salzsole wurde ja durch eine Holzrohrleitung vom
Salzberg ins Sudhaus nach Absam, später nach Hall geleitet. Durch die
offenen Soletröge erwirkte man auch eine Druckreduzierung in den
Holzrohrleitungen. Hier neben der 1. Ladhütte führt östlich durchs „Klamml“
ein Steig zur Halltaler Hütte, eine Privathütte der „Alpingesellschaft
Halltaler“.
7
Wasserfassung
Das „Alte Wehr“
aus dem Jahre 1912 war das erste Tiroler Wehr. Wenige Schritte bergauf
ragt ein kühnes Betonsegel aus der Felswand. Dahinter verbirgt sich der
„Margarethe-Stollen“, nach der Stollenpatin, der Gemahlin des früheren
Haller Bürgermeisters Posch so genannt. Durch diesen Stollen fließt das
Trinkwasser für die Gemeinden Absam und Hall aus dem Hüttenspitzmassiv
heraus.
8
Das Knappenkreuz
Wenn wir nun vor dem
Wehr stehen, und den Blick zur gegenüberliegenden Talseite richten, sehen
wir hoch oben in der schattigen Wand unter einem Felsüberhang ein
Kruzifix. Das jetzige Kreuz vom Absamer Bidhauer Siegfried Obleitner,
stammt aus dem Jahre 1984 und wurde von Kletterern angebracht. Vorher war
eine Kreuzigungsgruppe mit zwei Figuren, der Hl. Maria und dem Apostel
Johannes, hier befestigt. Diese Stücke befinden sich momentan im
Ortsmuseum von Absam und sollen aus der Zeit Andreas Hofers stammen. Es
wird auch erzählt, dass im Lawinenwinter 1888 der Schnee hier so hoch
lag, dass dieses Kreuz von Bergknappen vom höchsten Punkt der Lawine aus
angebracht werden konnte.
9
Bettelwurfbrünnl
An dieser Stelle
labten sich Generationen von Knappen, Wanderern und Bergsteigern an dem köstlichen
Wasser, aus dem Bettelwurfbrünnl,
das aus dem Eibental gespeist wurde. Seit 1994 fließt aus diesem
Brunnen Wasser von den an der gegenüberliegenden Talseite gelegenen
Jakobiquellen.
10
Das Eibental
Einige Schritte
bergauf, nach dem Bettelwurfbrünnl mündet das steile Eibental ins
Halltal. Der Name rührt vom einstigen reichlichen Eibenbestand her. Auch
heute noch findet man dort Eiben.
11
Jakobibrünnl
Knapp neben dem Bach
lag an der Ostseite das Jakobibrünnl, das deshalb, weil es angeblich um
Jakobi (25. Juli) zu rinnen begann, seinen Namen erhalten hat. Das
Jakobibrünnl wurde 1987 vermurt und existiert heute nicht mehr. Anstelle
dessen hatte man 1994 die Jakobiquellen als Notwasserversorgung gefasst,
nachdem im Jahre 1992 eine große Mure die Trinkwasseranlagen für Hall
und Absam beschädigt hatte. Heute treibt das Wasser der Jakobiquellen
eine Turbine im neuen Stollenhaus.
12
Bettelwurfeck mit dem
Buchenwaldele
Hier bei der zweiten
Ladhütte befindet sich ein großer Parkplatz, die Talstation der
Materialseilbahn zur Alpensöhnehütte und die Abzweigung des Aufstieges
zur Bettelwurf Hütte. Das Halltal macht hier eine Richtungsänderung nach
Westen, ein Eck, daher der Flurname. Einzelne, der hier stehenden Buchen,
sind über 350 Jahre alt.
13
Alpensöhne
So heißt ein 1893
gegründeter Bergsteigerklub der OEAV-Sektion Hall. Der Verein ist Inhaber
der an der Südflanke des Hüttenspitzes gelegenen Alpensöhnehütte. Die
Hütte ist privat und für die Öffentlichkeit nur eingeschränkt
bewirtschaftet. Sie wurde 1910 an der Stelle der baufälligen Winklerhütte,
einem ehemaligen Almhäusl, errichtet.
14
Gamsgufel
Eine halbe Stunde sind
wir nun dem Anstieg zur Bettelwurf Hütte gefolgt und an einem höhlenartigen
Felsüberhang angelangt. Diese Einbuchtung heißt Gamsgufel. Hier finden
die Gämsen Unterstand bei widrigem Wetter, aber auch für die Jäger ist
die Gufel ein guter Pirschplatz. Gufl ist heute die mundartliche
Bezeichnung für Höhle oder Einbuchtung, hat aber ihre Wurzeln im
lateinischen „cubile“ (Lager, Nest).
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Wechselreise
Das Schuttkar in dem
wir uns nun befinden ist die Wechselreise. Reise heißt im Volksmund eine
steile Schotterrinne, der Name leitet sich von „rieseln“ ab und diese
hier kommt von der Wechselscharte, daher der Name. Neben Wechselreise
finden wir in dieser Gegend die Namen Wechselscharte und Wechselspitze (in
der Landkarte als Fallbachkarspitze bezeichnet). Im Gesamten rührt der
Name Wechsel aus der Jägersprache. Wenn das Wild seine Standorte ändert,
so spricht der Jäger vom Wechsel. Hier ist es ganz charakteristisch, da
das Gamswild jahreszeitlich und witterungsbedingt über die Wechselscharte
von der Fallbachkarseite ins Halltal und zurück wandert - „wechselt“.
Südlich der Wechselreise ragt der Hüttenspitz, mit seiner von Süden her
weit sichtbaren „Winklerwand“ auf.
16
Alter Schlag
Die latschenbewachsene
untere Flanke des Bettelwurfstockes, durch die auch stückweise der Weg
zur Bettelwurf Hütte führt, heißt „Alter Schlag“. Hier stand einst
ein beachtlicher Hochwald, der wegen des gigantischen Holzbedarfes im
Bergbau „geschlägert“ wurde. Heute stehen wir hier mitten in den „Zuntern“,
so heißen im Volksmund die Latschen, die Legföhren.
17
Juchezer
Eine Wegbiegung, ein
markierter Stein, ein erster Blick auf die Bettelwurf Hütte. Diese Stelle
regte und regt noch immer an, einen „Juchezer“, einen Freudenruf, ein
„Juhuuuuu“ erschallen zu lassen.
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Bettelwurf Hütte
2077m
Schutzhaus des Oesterr.
Alpenvereins, Zweig Innsbruck. Erbaut 1894, durch die Initiative von
Julius Pock, des damaligen Vorstandes
der Alpinen Gesellschaft „Wilde Bande“. Ca. 70 Übernachtungsplätze.
In ca. 2 1/2 Stunden von der 2. Ladhütte aus erreichbar.
Pächter: Christian Gschnitzer aus Ratschings, Südtiroler Küche. Siehe
auch im Internet www.bettelwurfhuette.at
19
Eisengattergrat
Der im Anstieg zum Großen
Bettelwurf ziehende Eisengattergrat hat seinen Namen von
Eisenversicherungen, die die Bergknappen gegen die große Lawine, die aus
der Westflanke des Eisengattergrates ins Halltal stürzt, errichteten.
Diese Schutzgatter sind heute nicht mehr vorhanden.
20
Bettelwurf
Wie der Bettelwurf der
Sage nach zu seinem Namen kam:
Einst klopfte ein mittelloser Salzberger (Bergknappe), der nichts besaß
als eine Stube voll hungriger Kinder, an die Pforte des
Klosters
der Augustinerinnen in St. Magdalena im Halltal und bat um eine milde
Gabe. Unmutig reichte
eine Nonne dem lästigen Gast ein Stück hartes Brot. Dem enttäuschten
Bettler stieg darauf die Zornesröte ins Gesicht, er tat einen grässlichen
Fluch gegen den Himmel
und das Kloster und wandte sich mit folgenden Worten ab: „Fresst euch
den Bettel selbst, ihr Geizkragen !“ Er schleuderte die Gottesgabe mit
einem kräftigen Wurf nordwärts gegen die Felswände. Starr vor Entsetzen
und voller Angst rief die Klosterfrau in ihrer Bestürzung: „Zur Strafe
für deinen Frevel sollst du im Grabe keine Ruhe finden und die
Felsbrocken, die von den brüchigen Wänden zu Tal kollern, immer wieder
den Hang hinaufschleppen müssen !“
Wer das Gestein der Kalkberge
kennt, weiß, dass der Unglückliche
mit dieser Verwünschung in Ewigkeit nicht zu Ende kommen wird. Seit
dieser Zeit geistert er, der nie mehr gesehen worden ist, ruhelos in den
Klüften hin und her und tritt im Sommer Gestein,
im Winter aber die
gefürchteten Lawinen von den Wänden los, die schon manchem Ahnungslosen
zum Verhängnis wurden.
Soweit
die Sage, wie die etymologischen Wurzeln des Bettelwurfs aussehen, ist
derzeit nicht ergründet.
Karl
Obleitner, Bildhauer aus Absam, hat den Bettelwurfgeist in mehreren
Fassungen dargestellt.
21
Die Plattentürme am
Turmschlag
Es handelt sich dabei
um Konglomeratgestein, das von der Erosion eigenartig geformt wurde und
das natürlich sagenumwoben ist. Nach einer Überlieferung des Tiroler
Dichters Josef Pöll ist die folgende Legende wiedergegeben:
"Auf den Platten herrschte vor Zeiten ein wilder Gaugraf in einem
Bergschlosse und hatte eine gar liebliche Tochter. Einst ging die Maid ins
Tal hinab, um Alpenblumen zu sammeln. Da begegnete ihr ein schmucker
Knappe, der freundlich mit ihr sprach, und sie schließlich fragte, ob sie
sein Weib werden wollte. Dem Mädchen war es recht, nicht aber dem Grafen.
Der ließ den Knappen fassen und in eine tiefe Schlucht werfen, seine
Tochter sperrte er aber in ein Verließ. Die Verzweiflung gab dem Mädchen
Kraft, sie verbog die Eisenstäbe eines Fensters und gelangte ins Freie.
Da stand sie nun am Rande eines Felsenschlundes, in dem die Leiche ihres
Geliebten lag. Der Schmerz übermannte sie und sie stürzte sich in die
Tiefe. Als der Graf dies vernommen hatte, stieß er einen entsetzlichen
Fluch aus über den Knappen, sein Kind, sein Schloss, gegen sich selbst
und den Himmel. Da brach ein Gewitter los, wie man ein solches noch nie im
Tale erlebt hatte. Die Felsen barsten und unter der Gewalt der Blitze stürzten
die Mauern der Burg zu Tal. Der Graf aber, seine Tochter und der Knappe
waren zu Stein geworden, und das sind diese Felsnadeln dort am öden
Hange."
22
Turmschlag
Das Gebiet neben den Türmen
heißt der Turmschlag. Aus dem Namen geht hervor, dass auch hier einst ein
dichter Waldbestand war, der dem Bedarf des Bergbaues zum Opfer fiel.
23
Hohe Wand
Das ist die nächste
Plattenflucht mit einem steilen Abbruch wenn man taleinwärts
blickt.
Hier an der Hohen Wand, am bereits erwähnten Turmschlag und im
Bettelwurfkar hausen, wie die Sage erzählt, heute noch die weißen
Jungfrauen des Halltales. Das sind die berüchtigten Windlawinen, die „Plattnerin“
aus den Wänden des Turmschlages über den Platten, die „Teglerin“ von
der Hohen Wand und die “Bettelwurferin“ aus dem Bettelwurfkar. Woher
der Name „Teglerin“ kommt, konnte nicht mehr ermittelt werden.
24
Speckkar und
Speckkarspitze
Diese Namen rühren
vom „Speckbauern“ aus Gnadenwald her, der hier eine Alm für sein
Jungvieh hatte. Auch eine Unterstandshütte war einst vorhanden. Der
Speckhof ist urkundlich „an der specke“ eingetragen. Mit „specke“
bezeichnete man einen Knüppelweg über morastige Stellen.
25
Lafatscherjoch
Der Name Lafatsch
stammt aus der vordeutschen Zeit und taucht in dieser Schreibweise 1460
auf. Er stammt über Larfeis, auch Larvacia, was soviel wie „Große
Steinplatte“ bedeutet. Das Lafatscherjoch bietet den Übergang ins nördlich
gelegene Lafatschertal und weiter ins Hinterautal.
26
Kohlstatt
Wegen der schwarzen
Erde, die an dieser Stelle vorhanden ist, wird angenommen, dass hier
Holzkohle für die Salzbergschmieden erzeugt wurde.
27
Wilde Bande-Steig
Eine im Jahr 1877 gegründete
Bergsteigergruppe mit dem Namen „Wilde Bande“, die eine enge
Verbindung zu den Salzberger Knappen hatte, baute den Steig vom
Stempeljoch zum Lafatscherjoch. Die Gesamtheit des Steiges vom Hafelekar,
durch die Pfeis, über das Stempeljoch bis zur Bettelwurf Hütte, trägt
den Namen „Innsbrucker Höhenweg“.
28
Rosskopf, Bachofenkar,
Kälberkar
Diese Namen kommen aus dem Alm-, Hirten und Bergbauleben. Sie deuten beim
Rosskopf die Form, dann die Stelle eines Wasserfalles von den Bergleuten
„Bach offen“ genannt, und beim Kälberkar die Almweide an.
29
Stempeljoch
Durch das westseitig
gelegene Samertal wurden Baumstämme aus dem Gleirschtal und dem
Hinterautal für den Stollenausbau ins Halltal transportiert. Diese nannte
man Stempel, daher der Name.
30
Halltaler Pfeis
Die stark gerölldurchsetzten
Hänge zwischen Issanger und Wilde-Bande-Steig heißen Halltaler Pfeis.
Gleich wie der Name der hinter dem Stempeljoch liegenden, weitaus
bekannteren Pfeis, wird die Entstehung des Namens Pfeis der rätoromanischen
Zeit zugeordnet und ist nicht näher erklärbar. Die Pfeis war Almgebiet.
31
Wildangergebirge
Der Lattengrat und die
Drei Dutten haben ihre Namen von den wie Zaunlatten und Zitzen aufragenden
Felstürmen, während der Wildangerspitz auf die Äsefläche (Weidefläche)
des reichlich vorhandenen Gamswildes hinweist.
32
Issanger
Als Iss bezeichnet man
im Volksmund ein hohes Mahd, eine Bergweide. Bis zur Schließung des
Bergbaues wurde der Issanger landwirtschaftlich genutzt.
33
Wasserberg
Hier am Wasserberg war
stets ein großes Wasservorkommen. Auch der Salzbergbau nahm am Wasserberg
vor ungefähr 700 Jahren seinen Anfang.
34
Karteller (auch
Kartelser)
Als Quadrella
bezeichneten die Römer eine vorgelagerte, flächige Flurform. Unser
Kartellerjoch dürfte davon seinen Namen ableiten. Hier steht auch ein
Felsturm, ein Knappenturm, auch Kartelserturm genannt. Man hört auch den
Namen „Ravelliturm“, benannt nach Kletterern aus dem Absam der Kriegs-
und Nachkriegsjahre.
35
Herrenhäuser
Diese Häuser waren
die Hauptunterkunfts- und Wirtschaftsgebäude des Halltaler Salzbergbaues.
Hier residierten die obersten Schaffer, die Herren. Im Jahre 1888 wurden
die Herrenhäuser durch Lawinen etwas in Mitleidenschaft gezogen. In jüngster
Zeit war es das Jahr 1999 das wieder als besonderes Lawinenjahr in die
Geschichte des Halltales einging und in dem das Haupthaus der Herrenhäuser
diesmal stark beschädigt wurde. Eine Restaurierung des Hauses ist jetzt
noch in Frage gestellt. Im Winter 1999 wurde auch die unterhalb von St. Magdalena
stehende Talstation der Materialseilbahn auf die Bettelwurf Hütte total
zerstört.
Salzbergbau:
Die Erschließung des Bergbaues begann 1272 durch Ritter Nikolaus von
Rohrbach auf Veranlassung von Heinrich II. von Görz und Tirol.
Stillgelegt wurde der Bergbau 1967.
36
Törl
Lange Zeit auch Türl
genannt, ist leicht einzusehen, dass dieses Jöchl ein Törl hinüber ins
Inntal ist.
37
Hirschbad und
Hirschbadsteig
Leicht zu erraten ist,
dass in diesem Tal, dem Tale des Issbaches, gerne die Hirsche suhlten
(d.h. in Wassertümpeln badeten). Heute gibt es im Halltal keine Hirsche
mehr.
38
St. Magdalena
An dieser Stelle
erbaute Hans Frankfurter, ein ehemaliger Salzmeier 1441 eine Kapelle und
eine Klause, in der er sich, etwas später auch sein Bruder, als Eremit
niederließ. Mit weiteren Gleichgesinnten wurde daraus das
„Bruderhaus“. Über Veranlassung des Abtes von Tegernsee und des
Pfarrers von Hall zogen die Waldbrüder fort und an deren Stelle kamen
zwei Schwestern vom Orden der Augustinerinnen. Nach und nach zogen mehr
Nonnen ins Halltal, es entstand ein Kloster und statt der Kapelle ein
Kirchlein - „St. Magdalena“. Der Name stammt von einer 1486 hier ansässig
gewesenen Magdalena Getzner. Um 1522 gingen die Nonnen nach Gnadenwald und
das Kloster wurde aufgelöst. Im Lawinenwinter 1888 wurde auch St.
Magdalena schwer beschädigt. Heute ist St. Magdalena im Besitz der
Österr.
Bundesforste und als Jausenstation verpachtet. Unterhalb von St. Magdalena
liegt die III. Ladhütte, diese hieß früher „Ladhütte bei der Säge“,
es gab hier ein Sägewerk und die ganze Flur war der „Saganger“.
39
Zunterkopf
Zuntern heißen die
Legföhren, die Latschen, die im trockenen Zustand leicht Feuer fangen und
wie Zunder brennen. Von deren reichlichem Vorkommen hat dieser südliche
Vorberg des Halltales seinen Namen erhalten.
40
Hochmahdkopf
So heißt das Hohe
Mahd, eine hoch oben liegende Bergwiese, die gemäht wurde. An der
Sonnenseite des Hochmahdkopfes ist ja auch der Heuberg.
41
Kohlanger
Eine Stelle östlich
von St. Magdalena oberhalb des Fluchtsteiges an der Holzkohle für den
Bergbau erzeugt wurde.
42
Sonnenbrücke
Am 2.
Februar erreicht der erste Sonnenstrahl des Jahres an dieser Stelle das
hintere Halltal, daher der Name.
43
Fluchtsteig
Dieser Steig zwischen
St. Magdalena und dem Bettelwurfbrünnl wurde einst von Bergknappen zur
sicheren Begehung des angeführten Tallabschnittes bei Lawinengefahr
angelegt. In „normalen“ Wintern erreichten die von der Sonnenseite
abgehenden Lawinen die Höhe des Fluchtsteiges nie. Dieser Verbindungsweg
ist derzeit noch gut erhalten und markiert, seine Begehung ist aber aus
rechtlicher Sicht umstritten. Wie es scheint, ist der Steig an federführenden
Stellen nicht sonderlich beliebt. Das ist aber auch keine besondere
Neuigkeit, denn schon im Jahrbuch 1888
des DuOEAV, Seite 472, kann man folgendes nachlesen : „......jetzt
ist dieser Steig etwas vernachlässigt, da seine Erhaltung wohl weniger
nothwendig erscheint.“
Die Wanderer schätzen den Fluchtsteig sehr, weil dieser, abseits des oft
sehr starken Kraftfahrzeugverkehrs auf der Mautstraße, in abgasfreier,
schattiger Lage durchs Halltal führt.
Die vorstehenden
Erklärungen sind nur ein kleiner Abriss des an wahren
Begebenheiten, Wundern und Sagen überquellenden Halltales, - manche Übertreibung
mag auch dabei sein, - und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Vielleicht ist es aber gelungen, in dir, lieber Wanderer, soviel Neugier
zu wecken, dass du nun ein richtiger „Halltalsüchtiger“ geworden bist
und selbst weitersuchst. Im Absamer Museum, Jakob-Steiner-Str. 5 (geöffnet
mittwochs von 18 - 19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung) und im
Bergbaumuseum in Hall i.T., Oberer Stadtplatz (geöffnet Mai bis
September, Montag bis Samstag) erfährst du alles Wissenswerte ganz genau.
Mein
großer Dank gebührt den Herren Peter Steindl aus Absam und Hans Spötl
aus Hall i .T., die durch ihre wertvollen Informationen ganz maßgeblich
am Zustandekommen dieser Aufzeichnungen beitrugen.
Berg
Heil und Glück auf !
Impressum:
Herausgegeben vom Zweig Innsbruck des OEAV
als Beitrag zum Internationalen Jahr der Berge 2002.
Text und Gestaltung: Günter Amor
Alle: A-6020 Innsbruck, Willhelm-Greil-Str. 15
Tel. 0512 – 587828, Fax: 0512 – 588842
Die Herstellung des Prospekts wurde
unterstützt von folgenden Sponsoren:

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Hüttenwart Gunnar
Amor
Aktualisiert am 25. Oktober 2002
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