STOPP der schleichenden Zerstörung der Martinswand
Kaiser Maximilian liebte unter allen Jägereien die Gamsjagd am meisten und überstand dabei so viele Todesgefahren, daß daraus ein sonst unerhörtes Beispiel zu nehme ist, wie das himmlische Engelgeleit einen frommen Fürsten zu schützen vermöge. In seiner Jugend kletterte Max einsmals den Gemsen auf der Martinswand also nach, daß er weder fürder noch zurücksteigen konnte. Wo er sich nur hinwendete, hatte der kühne Herr den Tod vor Augen.
Sah er über sich, so drohte ihm die überhängenden Felsen, sah er unter sich, so erschreckte ihn eine grausame Tiefe von mehr als hundert Klastern, sah er um sich, so war er mit Felsen umgeben, die viel zu hart waren, um sich seiner erbarmen zu können. Mit einem Seil ihm zu Hilfe zu kommen, verbot die Höhe des Ortes, einen Weg hinauf hätten alle Steinbrecher nicht in einem Monat zu Stande gebracht. Der Herr sah zwar seine Hofdiener in der Tiefe stehen und gehen, allein sie konnten ihm nicht helfen. Zwei ganze Tage und Nächte hoffte er vergebens auf Rettung.
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Damals konnte Kaiser Maximilian noch von seinem „himmlischen Retter" sicher über den Westteil der Martinwand ins Tal gebracht werden, worauf dieser als Dank für seine Rettung ein „vierzig Schuh hohes Cruzifix" an dem Ort seiner Rettung aufstellen ließ.Heutzutage müsste zur Rettung aus der Maximilamsgrotte, vermutlich der Hubschrauber eingesetzt werden, denn dieser besagte westliche Teil der Martinswand fiel leider einem Steinbruch zum Opfer. In den letzten Jahren wurde der seit 200 Jahren bestehende historische Weg aufgrund einer sukzessiven Ausweitung des Steinbruches mehrfach verlegt und ist in seiner ursprünglichen Form heute nicht mehr existent.
Martinswand - Naturschutzgebiet und Natura 2000 Gebiet
Die Martinswand, die ihren Namen vom darunter liegenden Kloster Martinsbühel - einstiges Jagdschloss von Maximilian - erhielt, ist ein unverkennbares Landschaftsbild des mittleren Inntals. Sie gehört zur Solsteingruppe im Alpenpark Karwendel, einem Teil der Nordtiroler Kalkalpen. Die Kalksteinwand wurde in der Eiszeit durch den mächtigen Inntalgletscher hart abgeschliffen und erhielt so ihre charakteristische, von vielen Kletterern so geschätzte Form. Aber nicht nur Kletterer bevorzugen die Besonderheiten die die Martinswand in klimatischer und geografischer Hinsicht bietet. Die lokalklimatisch „heiße" Sonderstellung ermöglicht nicht nur das Klettern im Winter, sie führt auch zu einer inneralpinen, kontinentalen Trockenvegetation. Als botanische Raritäten können unter anderem die Baumarten Hopfenbuche sowie Mannaesche oder eine seltene Orchidee wie der Violette Dingel angeführt werden. Diese „Föhnflora" ist anderorts in Nordtirol kaum zu finden. Aus diesem Grund wurde die Martinswand 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und 1995 als Natura 2000 Gebiet nach Brüssel gemeldet.
Martinswand - einer der bedeutendsten alpinen Klettergärten Österreichs
Vier Generationen von Tiroler Kletterern haben die Martinswand zu dem gemacht, was sie heute ist, ein Eldorado für Kletterbegeisterte aus dem In-und Ausland. Neben den klassischen Routen wie z.B. der „Auckenthalerriss", (M. Auckenthaler und H. Frenademetz - 1932) oder die „Direkte Martinswand" (W. Spitzenstätter, R. Troier -1959), „Ostriss" (K.Schoißwohl, W.Spitzenstätter - 1962), „Fiedler/Flunger" (diese -1962), „Westriss" (H. Köchler, H. Wagner - 1969) und „Schwarzenlander/Sint" (diese - 1974), bietet die Wand auch einen anspruchsvollen Klettersteig. In den vergangenen Jahren wurden auch mehrere Klettergärten und schwierige Sportkletterrouten, hauptsächlich von H. Zak und R. Scherer erschlossen. Allein der Klettergarten „Dschungelbuch" bietet mehr als 200 Routen, von denen einige zu den bekanntesten und schwierigsten Österreichs zählen. Das Dschungelbuch ist eines der ersten und traditionsreichsten Sportklettergebiete Österreichs und durch die Veröffentlichungen von Heinz Zak weltweit bekannt. An manchen Wochenenden kann man im gesamten Klettergebiet der Martinswand über 300 Personen zählen. Diese starke Frequentierung ist daher nicht nur auf die leichte Erreichbarkeit des Gebietes zurückzuführen.
Martinswand - Traditonsklettergebiet Dschungelbuch in Gefahr
Dieser attraktive Naturklettergarten knapp vor den Toren Innsbrucks ist neuerlich durch geplante Sanierungsmaßnahmen des Steinbruches in Gefahr. Alle derzeit vorliegenden Sanierungsvarianten für den Steinbruch Zirl sehen einen weiteren Abbau im Klettergebiet Dschungelbuch vor. Dieser neuerliche Ausweitung des Steinbruches würden wieder einmal Kletterrouten und ein Teil des Natur - und Landschaftsschutzgebietes Martinswand zum Opfer fallen. Denn schon bei früheren Sanierungen kam es im Zuge der Sprengungen zur Zerstörung wertvoller Kletterrouten. Durch die geplanten Abbaumaßnahmen im Zuge der Sanierung droht nicht nur die Zerstörung von Kletterfelsen, sondern auch ein massiver Eingriff in das Landschaftsbild Martinswand, da der „Felskopf" an der östlichen Grenze des Steinbruchs abgebaut und terrassiert werden soll. Dieser Felskopf aber verdeckt in seinem jetzigem Zustand die riesige Wunde Steinbruch in der Frontal-und Ostansicht der Martinswand. Sein Abbruch würde das Loch des Steinbruchs von jedem Blickwinkel aus in seiner vollen Größe sichtbar machen und eine der bekanntesten und eindruckvollsten Naturstätten Tirols nachhaltig zerstören. Deshalb fordert die Initiative Rettet das Dschungelbuch die Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes, das den vollständigen Erhalt dieser natürlichen Sportstätte garantiert. Sie Sicherung des Steinbruchs ist sicher auch ohne weiteren Abbau im Osten möglich.
Nähere Informationen über die Initiative - Rettet das Dschungelbuch, erhalten Sie unter www.rettetdasdschungelbuch.info
Der Zweig Innsbruck des Oesterreichischen Alpenvereins richtet seinen Appell an die Tiroler Landespolitik, das Dschungelbuch und damit auch das Schutzgebiet in seiner jetzigen Substanz zu erhalten und das Klettern, in dieser weit über die Grenzen hinaus bekannten Natursportstätte, weiterhin zu ermöglichen.
Die Innsbrucker Grünen fordern Klarheit über die Zukunft des Klettergartens "Dschungelbuch" in Zirl. Dieser ist durch die neuerlich geplante Sanierung des Zirler Steinbruchs berdroht. Auch das angrenzende Natura-2000 Gebiet müsse unbedingt geschützt werden. "Seit 13 Jahren wird am Steinbruch herumsaniert und damit die beeindruckende Landschaft rund um die Martinswand regelrecht weggefressen", meint Grünen-Umweltsprecherin Maria Scheiber. In ingesamt vier Anfragen an die Landes- und Bundesregierung verlangen die Grünen nun präzise Aufklärung über die Zukunft der Sanierung des Zirler Steinbruches.
(TT-Bericht 19.3.07)
Zwischenerfolg für Alpenverein
Im Konflikt um die Sanierung des Zirler Steinbruchs kann der Alpenverein einen Zwischenerfolg verbuchen. Der Alpenverein und die Initiative "Rettet das Dschungelbuch" werden künftig in die Planungen miteinbezogen. Steinbruchsanierung gefährdet Klettergebiet Die Sanierung des Steinbruchs beeinträchtigt das Klettergebiet Dschungelbuch an der Martinswand. Jetzt wurde vereinbart, dass weitere Eingriffe in das Klettergebiet, sollten sie überhaupt notwendig sein , auf ein absolutes Minimum beschränkt werden sollen.
(ORF - Tirol 11.04.07)
Etappensieg im Steinbruchstreit
Runder Tisch mit LR Hosp - Iniative erfreut
Weit weniger Dschungelbuch-Routen als befürchtet könnten der notwendigen Sanierung des Zirler Steinbruchs zum Opfer fallen. "Es geht um fünf bis sechs Routen", ließ LR Anna Hosp gestern nach dem runden Tisch verlauten. Mehr, so das vorläufige Ergebnis, sollten der dringend nötigen Sanierung des Zirler Steinbruchs nicht zum Opfer fallen. Auf Einladung von Hosp diskutierten gestern Verteter von Alpenverein, der Iniative "Rettet das Dschungelbuch" sowie Experten der Landesgeologie über die weitere Vorgehensweise. Wie berichtet, regt sich starker Widerstand gegen die Sanierung bei den Kletter-Fans."Die Sanierung ist dringend erforderlich, das haben uns die Experten geraten" so Hosp. Von der ursprünglich großen Variante werde man zugunsten einer reduzierten Sanierung Abstand nehmen. Auch sollen Alpenverein und Kletter-Iniative nun verstärkt in die weitere Planung einbezogen werden."Das Treffen war aus unserer Sicht erfolgreich", meint Ulrich Wörz von der Iniative. "Unsere Linie ist weiterhin, dass der Abbau möglichst weit im Westen gestoppt werden muss." Dieser Standpunkt sei klar.
(TT-Bericht 13.04.07)
Kleiner wird´s auf keinen Fall
Mit der vorliegenden Kompromissvariante in Sachen Steinbruch-Sanierung kann die Zirler Firma Plattner gut leben. Hier harrt man nun der Umsetzung.
Zirl (mami). Ein runder Tisch auf Einladung von LR Anna Hosp (VP) hatte am Donnerstag die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern der umstritenen Sarnierung des Zirler Steinbruchs etwas aufgeweicht. Wie berichtet, wurde das ursbrünglich geplannte Sanierungsgebiet reduziert. Nun soll nur noch maximal 5 Kletterrouten des sogennanten " Dschungelbuches" dem arbeiten zum Opfer fallen. "Kleiner wirds auf keinen Fall mehr", versicherte gestern Michael Kirchmair, Betriebsleiter der Firma Plattner. "Wir haben hier jetzt keine Luft mehr." Mit dem vorliegenden Kompromiss sei man aber "ganz zufrieden". Kongret soll der sogennante "Ostkopf" vom losen Gestein befreit und um rund 10% verflacht werden. Steinschlagnetze und Wälle seien zu errichten. "Dann kann nicht nur die Landesstraße wieder zurückverlegt werden, sondern auch das gesammte Dschungelbuch wieder legal beklettert werden ", so Kirchmair. Derzeit seien viele Routen gesperrt, was aber vielfach ignoriert werde.
Neben dem laufenden Gesprächen über die Sanierungspläne harrt die Firma nun eines positiven Beschlusses im Gemeinderat, wie Kirchmair betonnt: "Wir brauchen die Zustimmung von Zirl, dass Sie die Grundeigentümer sind".
(TT vom 14/15.04.2007)